Der Hügel von Castelfeder im Südtiroler Unterland

Castelfeder

Südlich von Auer erhebt sich das Bozner Vorgebirge aus dem Etschtal, der Hügel von Castelfeder (405 m). Castelfeder übt durch seine karge, mediterrane Vegetation auf den sanften Hügeln, den imposanten Ruinen und der atemberaubenden Aussicht einen besonderen Reiz auf Besucher und Wanderer aus. Auf der höchsten Kuppe von Castelfeder gelegen, befindet sich das Wahrzeichen Castelfeders, die sogenannten “Kuchelen”. Diese markanten Bögen sind die Reste eines gewaltigen byzantinischen Mauerwalls der um 500 errichtet worden war.

Auf Castelfeder zeugen Funde aus der Frühgeschichte, Mauerreste aus der Zeit der Langobarden bis hinauf ins Mittelalter von der Besiedlung dieses sanft geschwungenen Hügels. Urnengräber mit Grabbeigaben aus dem 2. Jahrtausend vor Christus wurden ausgegraben und Brandopferstätten festgestellt. Weithin sichtbar ist die Ruine der Barbarakapelle die im 7. Jahrhundert einem Brand zum Opfer fiel – später aber wieder aufgebaut wurde.
Der warme, sonnenverwöhnte Hügel Castelfeder hat aber noch eine Besonderheit auf zu weisen, die Fruchtbarkeitsrutsche. Südwestlich der “Kuchelen” – der markanten Bögen – findet sich in einer Porphyrformation eine flache, fast glatt polierte Rutsche. Die flache Rutsche wird als “Zentrum eines uralten Fruchtbarkeitskultes” interpretiert, so erzählt es der Volksglauben. Das Hinunterrutschen sollte den ersehnten Kinderwunsch erfüllen.

Späteren christlichen Siedlern mag dieser “heidnische Aberglaube” wohl nicht ganz geheuer gewesen sein, denn sicherheitshalber wurden Kreuze in die Rutsche geritzt. Silbrig glänzt die Fruchtbarkeitsrutsche in der Sonne und die herbe Schönheit des Caselfeder Hügel tut sein übriges.

Hier haben seit Jahrtausenden Menschen gelebt, wie die imposante Anlage Castelfeder beweist und die Vorzüge des sonnenverwöhnten Hügels geschätzt.

Im Jahre 1946 kam es zu einer Protestkundgebung auf den Porphyr-Hügel von Castelfeder. Diese wurde von der Südtiroler Volkspartei (SVP) nach mehrmaligen Ansuchen beim Präfekten von Trient organisiert. 1927 wurde die Provinz Bozen errichtet, die Grenze aber nicht bei der Sprachgrenze Salurn sondern im Unterland in Leifers gezogen. Die Dörfer im Unterland kamen zur Provinz Trient. Im Jahre 1946 nach Ende des 2. Weltkrieges kam es zur Protestkundgebung der Unterländer Bevölkerung auf Castelfeder, die lautstark die Angliederung ihrer Dörfer an die Provinz Bozen forderten. Im Jahre 1948 kam das Unterland im Zuge des Autonomiestatutes an die Provinz Bozen zurück und die Sprachgenze war wieder die Ortschaft Salurn.

Heute ist der sonnige Porphyr- Hügel Castelfeder, wie auch Sankt Hippolyt in Tisens, ein beliebtes Ziel für Wanderer und (fast) zu jeder Jahreszeit begehbar. Durch seine interessante, eher karge Vegetation ist der Hügel Castelfeder ein Biotop der besonderen Art. Vorbei an kleinen Tümpeln und Mooren mit üppigen Pflanzenwuchs und Lebensraum vieler Kleintiere, teilweise mit Steinen bepflasterte Wege, urige Eichen und zum Verweilen einladende Plätze säumen den halbstündigen Aufstieg bis zum höchsten Punkt des Castelfeder (405 m).
Auf dem höchsten Punkt angekommen, schlängelt sich unter uns die Etsch durchs Unterland. Auf der linken Seite der Etsch liegt uns die Marktgemeinde Neumarkt zu Füßen und auf der rechten Seite am Berghang liegt das malerische Weindörfchen Tramin. Dessen Kirchturm weist uns den Weg hoch zum Himmel hinauf, der höchste Kirchtum Südtirols übrigens.

Der geschichtsträchtige Hügel Castelfeder im Südtiroler Unterland belohnt den Wanderer und Besucher mit einem bezaubernden Panorama, einer fast mythisch anmutenden Atmosphäre und einer herben, mediterranen Vegetation.

Legende zur Kapelle der Hl.Barbara von Castelfeder

Nach einer alten Chronik soll im Jahre 939 in der Nähe der Kapelle im alten Gemäuer ein Gewölbe aufgebrochen worden sein, darin haben sich drei Skelette befunden. Das Seltsame war, daß den Männern die das Gewölbe aufbrachen nicht Modergeruch, sondern ein lieblicher Duft entgegenströmte. Die Gebeine wurden in der Nähe der Barbara Kapelle in geweihte Erde beigesetzt. Bei Gewittern erschienen fortan drei strahlende Lichter am Turm der Barbara Kapelle und die Gewitter gingen in erquickenden Regen über. Wenn die Gefahr gebannt war, sprangen die drei Lichter hinüber zur Kapelle St. Jakob auf Castellaz oberhalb Tramin. Sobald der Messner dies bemerkte hörte er mit dem Wetterläuten auf, da er nun sicher war, dass alle Gefahr gebannt war.

Überliefert von: E.H. Chiusole

Neumarkt im Südtiroler Unterland