Neumarkt im Südtiroler Unterland

Neumarkt

Bereits im fernen Jahre 1189 wurde Neumarkt im Südtiroler Unterland von Bischof Konrad von Trient gegründet. Sonnenverwöhnt, die Nähe des Flußes, der heutigen Etsch, die Nähe der Sprachgrenze zum Süden und Norden ließ ihn hier einen ersten Handelsplatz, einen Marktplatz gründen. Neumarkts Reichtum stammt aus der ehemaligen Etschschifffahrt; Neumarkt wurde ein wichtiger Umladeplatz der Waren, die im Ballhaus (erbaut 1372) gelagert und auf denen Zölle erhoben wurden.
Neumarkt wurde und ist wirtschaftlich, heute auch kulturgeschichtlich, ein bedeutsamer Mittelpunkt im Südtiroler Unterland.
Handel und Gewerbefleiß führten zur Errichtung der Laubenhäuser und den typischen “Saalhäusern” mit den tonnengewölbten Durchfahrten zu den rückwärtigen Wirtschaftsgebäuden und Häuser im Venezianischen Stil. Die wesentliche Bausubstanz stammt aus dem 15. bis 17. Jahrhundert, Spätgotik bis Barock.

Die Gassen der Lauben fallen durch ihre behäbige Breite auf. Nette kleine Caffees laden zum Verweilen ein und beleben diese mit der Leichtigkeit der “dolce vita”. Viele Italiener wurden vom Süden nach Norden geschickt um den deutschsprachigen Raum zu besiedeln und die italienische Kultur, die eleganten Frauen und der gesellige Austausch in den Caffees unter den Lauben ist in Neumarkt besonders gegenwärtig.

Die Durchfahrten zu den rückwärtigen Wirtschaftsgebäuden sind ausnahmslos alle eine Augenweide und geprägt von der liebevollen Pflege der jeweiligen Besitzter. Das fast vollständig erhaltene “Pilgerhospiz Klösterle” wurde im Jahre 1220 erbaut und wurde von den Pilgern auf ihren Weg nach Rom als Unterkunft genutzt. Zur Zeit dient das “Klösterle” als Museum.
Ein paar Schritte außerhalb der Laubenhäuser beeindruckt Neumarkt mit wunderschönen, herrschaftlichen Ansitzen. Fast wie Perlen reihen sie sich aneinander. Unterbrochen wird dieses aneinanderreihen der herrschaftlichen Ansitze von imposanten Bauernhäusern deren Verbundenheit mit der Erde fast schon greifbar spürbar ist.
Eine eigenartige, faszinierende Mischung herrscht in Neumarkt – einerseits die Leichtigkeit des Seins unter den Laubenhäusern und anderseits, in unmittelbarer Nähe, die Erdverbundenheit der dortigen Bauern. Eine schöne Kombination, die ich so noch nicht erlebt habe.
Zur Tradition von Neumarkt gehören mittlerweile auch die Freilichtspiele Südtiroler Unterland, die 1968 gegründet wurden und das Laubenfest das 3 Tage Ende August gefeiert wird.
Im südlichen Teil des alten Dorfkerns von Neumarkt erhebt sich die im Jahre 1986/87 restaurierte Pfarrkirche zum hl. Nikolaus. Am Nordrand von Neumarkt, in der Vill (Villa – die Römer hatten dort einen Weiler gegründet) am Fuße des Porphyrhügel Castelfeder befindet sich die Neumarkter Marienkirche mit der “Marienquelle”. Die Marienkirche “In der Vill” in Neumarkt im Südtiroler Unterland wurde zwischen 1412 und 1504 erbaut und gehört zu den stilreinsten gotischen Sakralbauten Südtirols. Diese ehemalige Marienwallfahrtsstätte wurde 1987 ebenfalls restauriert.

 

Der Hügel von Castelfeder im Südtiroler Unterland